06 Jun 2022

Was sagen Stellenanzeigen über den Arbeitsmarkt aus?

Daten & Fakten aus dem Indeed Hiring Lab

Wenn Dr. Annina Hering, Economist bei der Job-Plattform Indeed, die Lage am Arbeitsmarkt analysiert, schaut sie sich zunächst die Arbeitslosenquote an. Im APSCo Web-Seminar haben sie und Norman Mauer, Senior Recruitment Evangelist bei Indeed, diese und andere aktuellen Zahlen und Fakten unter die Lupe genommen – mit wichtigen Learnings für Staffing-Unternehmen.

Niedrige Arbeitslosenquote erschwert das Recruiting

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei rund 5 % und damit auf dem Niveau, das sie vor der Pandemie hatte. Dem gegenüber steht eine starke Wirtschaft mit vielen offene Stellen. Dem Arbeitsmarkt fehlen also Kandidat:innen, vor allem im Fach- und Führungskräftebereich. Ein klassischer Verdrängungswettbewerb – und damit eine Herausforderung für Recruiter:innen.

Verschärft wird dieser Wettbewerb durch den demografischen Wandel: Mehr als eine halbe Million Erwerbstätige fehlt einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamts zufolge bis 2030 auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Bereits seit 2017 gehen mehr Menschen in Rente als neue Arbeitskräfte nachkommen.

In Kombination mit einer starken Wirtschaft, die sich seit dem Beginn der Corona-Pandemie wieder erholt hat, erschwert diese Entwicklung Recruiter:innen die Arbeit. Den Druck spürt man auch in den Unternehmen, die händeringend nach Nachwuchs suchen und den Fachkräftemangel zur Chef:innensache gemacht haben: Das Recruiting ist in den Unternehmen mittlerweile zum Vorstandsthema avanciert. Das ist für André Sola, Geschaftsführer APSCo Deutschland, eine positive Entwicklung und er stellt fest:

 

„Für Staffing-Unternehmen ist das eine sehr gute Nachricht. Es unterstreicht, welchen wichtigen Beitrag Personalvermittler und Personalvermittlerinnen für das Wachstum eines Unternehmens leisten.“ - André Sola, Managing Director APSCo Deutschland

Rekordniveau bei Stellenanzeigen

Neben der Arbeitslosenquote stützt sich die Arbeitsmarktanalyse bei Indeed auch auf eigene Zahlen. So hat sich seit Februar 2020 die Anzahl der Jobanzeigen über alle Berufe hinweg auf der eigenen Plattform um 50 % erhöht (Stand Mai 2022). Das ist ein neuer Rekord. 

Eine sehr hohe Nachfrage lässt sich dabei bei Recruiter:innen feststellen, denn sie werden überdurchschnittlich häufig gesucht. Aber auch im Bank- und Finanzwesen, der Lagerhaltung und in Lebensmittelbranche und Gastronomie sind Unternehmen auf der Suche nach passenden Kandidat:innen – bis zu 88 % mehr als vor der Pandemie. Bei Indeed sieht man das als vielversprechendes Zeichen für die Zukunft: eine starke Nachfrage bedeutet, dass die Branche optimistisch nach vorne blickt.

Stellenanzeige als Werbeanzeige verstehen

Doch wie schaffen es Recruiter:innen, passende Kandidat:innen von einem Jobwechsel zu überzeugen, wenn der Konkurrenzdruck am Markt so hoch ist? Die Ergebnisse der monatlichen Indeed Job Search Survey zeigen ganz deutlich: Die stärksten Argumente sind eine attraktive Bezahlung und interessante Benefits. 

Für ein knappes Drittel der Befragten ist das Gehalt der Hauptmotivator für den Jobwechsel, gefolgt von Karriere und Zusatzleistungen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten: Seit Januar 2020 hat sich die Anzahl der Stellenanzeigen bei Indeed mit der Option, von zu Hause zu arbeiten, um 13 % erhöht. Auch auf Bewerberseite haben die Suchanfragen für Jobs mit Homeoffice-Möglichkeit angezogen. 

Vier Tipps für die optimale Stellenanzeige

Für Staffing-Unternehmen macht es daher Sinn, sich kritisch mit den eigenen Stellenanzeigen auseinanderzusetzen und immer den oder die Wunschkandidatin im Blick zu haben. 

Welche Benefits sind für ihn oder sie wichtig, welche Karriere bieten wir und warum sind wir ein attraktiver Arbeitgeber? „Eine Stellenanzeige ist immer eine Werbeanzeige“, sagt Norman Mauer. „Menschen suchen effektiv und entsprechend ihrer Lebensrealität.“ 

Das sollte entsprechend eine wichtige Rolle bei der Formulierung solcher Anzeigen spielen. „Homeoffice“ ist zum Beispiel eher ein deutscher Begriff. Wer aber international sucht, sollte eher „remote“ benutzen. Basierend auf ihren Daten geben die Expert:innen von Indeed folgende Tipps für die optimale Stellenanzeige:

1. Der perfekte Titel

Spezialisierte Nischentitel funktionieren im Suchmaschinenkontext nicht. Auch zu kreative Bezeichnungen sind nicht empfehlenswert: Macht man aus dem Key Account Manager (m/w/d) einfach einen Mitarbeiter im Direktvertrieb (m/w/d), kann man die Kosten der Stellenanzeige in manchen Fällen um 13 % senken und dabei 25 % mehr Conversions erzielen. Beim Titel gilt also die Devise: je konkreter, desto besser.

2. Potenzielle Kandidat:innen abholen

Wonach sucht mein:e Wunschkandidat:in? Benefits klar benennen und hervorheben – am besten in den entsprechenden Feldern, die Job-Plattformen wie Indeed beinhalten. Wer Teilzeit anbietet, sollte das betonen und nicht ganz unten im Text verstecken. So werden auch Eltern, die auf diese Information besonders großen Wert legen, schneller auf das Angebot aufmerksam.

3. Mobile first

Stellenanzeigen sollten so kurz und knackig wie möglich sein. Viele potenzielle Kandidat:innen nutzen ihr Smartphone zur Jobsuche – kurze Anzeigen sind dort oft besser lesbar. Auch: Wer sich kurz fasst, behält auch die Aufmerksamkeit seines Gegenübers.

4. Tu Gutes und rede darüber

Arbeitgebende sollten sich vorstellen – und dabei gut überlegen, was sie über sich selbst zu sagen haben. Stichwörter wie „renommiert“ reichen oft nicht mehr aus, um Bewerber:innen zu überzeugen. Welche Werte werden gelebt, wie nachhaltig ist das Unternehmen aufgestellt?

5. Stellenanzeigen in einfacher Sprache - Stichwort Inklusion

Verklausulierte Sprache und lange, komplizierte Schachtelsätze sind kein Qualitätsmerkmal guter Texte. Wer sich klar und direkt ausdrückt, sammelt Pluspunkte bei den potentiellen Bewerbenden. Zudem sollten Recruiter:innen und Unternehmen Stellenanzeigen auch in einfacher Sprache formulieren und so Barrieren abbauen – das Thema Inklusion spielt nämlich auch im Recruiting eine wichtige Rolle.

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